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Cap Finistere: Hat Gerhard Schröder nicht ein großes Risiko auf sich genommen indem er Neuwahlen ausgerufen hat?
Jacques-Pierre Gougeon: Natürlich. Aber nach der Wahlniederlage der SPD in Nordrhein-Westfalen im Mai, wäre das letzte Jahr seines Mandats schwierig gewesen: der Bundesrat
(Vertretung der Länderregierungen ) hätte sein Regieren blockieren können. Ohne Zweifel …
Aber sie ist vereint geblieben.
Cap Finistere: Welche sind die Wahlkampfthemen?
Jacques-Pierre Gougeon: Die Konservativen wollen ihre Revanche. 2002 wurde der Wahlkampf über die Frage zum Irak-Krieg und das Hochwasser im Osten geführt. Dieses Mal geht es im Wahlkampf hauptsächlich um die Arbeitsplätze und das Steuersystem.
Bei den Konservativen geht es auch um das Thema des Beitritts der Türkei zur EU.
Gerhard Schröder würde dies begrüßen, wohingegen seine Kontrahentin der CDU, Angela Merkel, nur eine privilegierte Partnerschaft vorschlägt.
Cap Finistere: Können die Dissidenten der SPD, die Links-Partei, ein beständiger Teil der deutschen Parteilandschaft werden?
Jacques-Pierre Gougeon: In der Linkspartei sind die Dissidenten der SPD nicht mehrheitlich. Sie besteht vor allem aus Neo-Kommunisten ( besonders häufig im Osten ), Gewerkschaftlern und politisch Aktiven, die keiner Organisation oder Vereinigung angehören.
Um in das deutsche Parlament einzuziehen, benötigt die Partei mindestens 5 % der Stimmen. Die Zukunft des Zustandekommens hängt vom Wahlergebnis am 18 September ab.
Cap Finistere: Selbst wenn die Konservativen die Wahl gewinnen, könnten sie womöglich nicht regieren. Was sind die wahrscheinlichsten Wahlprognosen?
Jacques-Pierre Gougeon: Wenn die CDU zunächst zwischen 45 und 50 % der deutschen Stimmen erhält, kann sie eine Koalition mit der FDP bilden, die wahrscheinlich 6 bis 7 % der Wählerstimmen erhalten wird.
Sei es der Fall, dass das Ergebnis der CDU weniger gut ausfällt, kein Erhalt der absoluten Mehrheit ( mindestens 50 % der abgegebenen Stimmen ), zusammen mit der FDP, dann müsste sie sich eine große Koalition mit der SPD vorstellen.
Cap Finistere: Und die Möglichkeit einer Rot-Rot-Grünen Koalition?
Jacques-Pierre Gougeon: Das wäre sehr schwierig. Die Umfragen sehen nicht gut aus für die SPD und das Verhältnis zwischen den Sozialdemokraten und der Linkspartei, besonders zu Oskar Lafontaine, ist sehr schlecht. |